… meine Arbeit unter Wert zu verkaufen!

Von Piraten und Preisdumping – das neue Autoren ABC 2017

Respekt!

Was genau ist das eigentlich? Ich sehe schon seit längerem, dass Respekt in der virtuellen Welt nicht mehr viel Wert zu sein scheint …

Ganz vorweg ein paar klärende Worte:

Es liegt was in der Luft. Ich rieche es, kann es aber nicht greifen. Es riecht wie die Luft vor einem Gewitter. Man steckt die Nase in die Luft, wittert es, und entweder sucht man Schutz, lässt es über sich ergehen, oder rast mitten hinein.

Ich kann nicht sagen, was es ist, aber es riecht nach Veränderung.

Ja, der folgende Text mag sich für den ein oder anderen negativ anhören,  aber ich finde, es ist an der Zeit, mal zusammenzufassen, was mich gerade bewegt. Und aufzuzählen, was sich in meinen Augen verändert hat. Es ist kein Jammerpost und ich schere auch nicht alle über einen Kamm. Ich weiß, dass der größte Teil da draußen nicht mal weiß,  dass es all das gibt. Aber der kleine Teil, der sich damit beschäftigt, weiß vielleicht, wovon ich rede.

Und wer wissen möchte, worüber ich mir in den letzten Tagen Gedanken gemacht habe, darf gerne weiterlesen. Denn nachfolgend schreibe ich über Respekt – zumindest zwischen den Zeilen 😉 Und ja – es wird lang – holt euch einen Kaffee …

A wie Autor

Ich erinnere mich noch genau, wie stolz ich war, als ich 2012 das erste Buch in den Händen gehalten habe. Mein erstes Buch. Ich war so stolz und habe mich so gefreut. Endlich war ich ein Autor – jemand, der Geschichten schreibt und damit Leser in andere Welten schickt, um dem Alltag zu entfliehen. Und mittlerweile? Freude oder Leid? Da bin ich mir im Moment nicht sicher, denn der Buchmarkt ist im Wandel und ich weiß nicht, ob mir das gefällt.

B wie Beruf

Mittlerweile habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht und lebe vom Schreiben. Deswegen kann ich auch nicht mehr die Augen vor dem verschließen, was um mich herum passiert. Und ich will es auch nicht mehr. Und wenn ich mir das hier jetzt nicht von der Seele schreibe, platze ich!

C wie chancenlos

Das ist fast jedes neue Buch, wenn es nicht zum Dumpingpreis veröffentlicht wird. Denn ohne möglichst viele Verkäufe keine Sichtbarkeit – ohne Sichtbarkeit keine Verkäufe. Ein Teufelskreis, den ich unbedingt durchbrechen will, bevor er mich auffrisst. Denn ich kann es mir nicht leisten, meine Arbeit zu verschenken. Warum nicht? Weil ich selbstständig bin. Habe ich vielleicht doch den falschen Beruf gewählt? Ja, es ist ein Autorenproblem – kein Leserproblem, klar. Ich ziehe mir auch den Schuh an, denn noch vor nicht allzu langer Zeit habe ich es auch mit 99 ct. Aktionen versucht, aber es funktioniert nicht. Zumindest nicht für mich. Nicht mehr.

D wie Dienstleister

Die bezahlt werden wollen, bevor ich mit meinem Buch überhaupt den ersten Cent verdiene. Es laufen Kosten auf für Cover, Lektorat, Korrektorat, Werbung, Auflagendruck, Lesezeichen, Leseproben, etc. Dann noch die Goodies dazu … Ein Buch kostet mich schon vor der Veröffentlichung mehrere tausend Euro, wenn ich meinen Lesern Qualität liefern möchte, und das bin ich mir und meinen Lesern einfach schuldig.

E wie eBooks

Beim Kauf eines eBooks erwirbt man die nur die digitalen Leserechte – nicht das Buch selbst! Doch leider hat das Leser xy noch nicht begriffen. Die Bücher werden leider, leider … oft genug weitergegeben, oder sogar auf illegale Plattformen hochgeladen, ohne dass wir Autoren dafür einen Cent sehen, weil sie ja nur digitale Ware sind. Leider hat noch nicht jeder begriffen, dass in einem eBook ebenso viel Arbeit und Geld steckt, wie in einem Taschenbuch, und es damit auch genauso viel wert ist.

F wie Fake

Leider gibt es immer mehr Menschen, die sich hinter Fakeaccounts verstecken, um (anderen) Autoren das Leben schwer zu machen. Es ist müßig, sich darüber zu beschweren, denn nur selten kann man es ihnen nachweisen, aber oft genug zieht sowas einen Shitstorm nach sich. Glücklicherweise habe ich das selbst noch nie am eigenen Leib erlebt, aber auch als Zuschauer ist es schlimm genug.

G wie Geld

… das erstmal verdient werden muss, um die Kosten zu decken. Und das sind, wie schon erwähnt, einige. Und es werden nicht weniger, denn mit jedem Buch, dass ich auf eigene Kappe veröffentliche, gehe ich das Risiko ein, die Ausgaben nicht mehr reinzuholen. Selbst schuld, klar. Ich müsste ja nicht veröffentlichen, könnte mir einen anderen Beruf suchen, in dem ich geregelte Arbeitszeiten habe und am Ende des Monats weiß, was ich auf dem Konto habe. Doch dafür liebe ich das Schreiben viel zu sehr und das Feedback meiner Leser lässt mich glauben, dass sie meine Geschichten gerne lesen. Dafür danke ich euch!

H wie Herzblut

Das ist es, was in unseren Geschichten steckt. Und nie, nie, nie würde ich ein Buch einfach dahinklatschen, meine Leser mit leeren Seiten und Link-Hopping verarschen, nur um damit Geld zu verdienen. Irgendwie ja blöd, oder? Denn mit solchen Methoden kann Autor xy auf die Schnelle eine Menge Geld verdienen – Scheiß auf die Leser – Hauptsache, die Kohle stimmt. Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich sowas sehe, höre oder lese. Traurig. Das hat für mich nichts mit Herzblut zu tun.

I wie Illegal

… sind zum Beispiel der Tausch oder Weiterverkauf von eBooks, aber leider wird das von vielen nicht so gesehen. Es sind ja nur digitale Waren … Ja, ich verstehe, wenn Leser xy lieber Taschenbücher liest, anstatt eBooks. Völlig legitim. Aber man darf eBooks nicht wie Taschenbücher behandeln, sie nicht tauschen, verschenken oder weiterverkaufen. Das ist nicht nur illegal und kann empfindliche Strafen nach sich ziehen, sondern beraubt auch den Urheber – also den Autor – um seinen Verdienst.

J wie Ja

Ja zum Kauf von Büchern zu einem angemessenen Preis. Nein zum illegalen Download!

K wie Kotzen

Sorry, aber das könnte ich in letzter Zeit einfach zu oft, wenn ich Kommentare in diversen Büchergruppen lese wie »Wenn Bücher mehr als 99 ct. kosten, lade ich sie mir eben wo anders runter«, in eben diesen Gruppen eBooks öffentlich zum Kauf oder Tausch angeboten werden, oder Statements von Autoren geschrieben werden, die genau deswegen aufhören (müssen) zu schreiben. Das ist einfach nur traurig. Und immer wieder, wenn diese Diskussionen aufkommen, überlege ich selbst, ob es all das noch wert ist. Aber dann denke ich wieder daran, wie gerne ich schreibe und dass der größte Teil der Leser ehrlich ist. Danke dafür!

L wie Leser

Sie sind es, wofür wir schreiben. Und das gerne! Und mit Herzblut! Nur frage ich mich immer häufiger, wie lange ich mir das noch leisten kann. Ich liebe meine Leser und werde den Teufel tun, sie alle über einen Kamm zu scheren! Das schrieb ich ja oben schon. Nein, niemals! Schwarze Schafe gibt es überall – leider haben die sich in den letzten Monaten ungehemmt vermehrt. Ich glaube generell an das Gute im Menschen und an meine Leser sowieso. Denn – ohne euch wäre ich nichts.

M wie Messen

FBM und LBM – die Highlights für Autoren und Leser. Ich liebe den Austausch mit Lesern, das Treffen mit den Kollegen – erinnert es doch jedes Jahr wieder an ein Klasstentreffen oder fast an ein großes Familientreffen. So schön ist diese Zeit des Jahres. Für uns und für euch. Doch muss man wirklich so dermaßen mit Goodies um sich schmeißen, um Leser zu beeindrucken? Sollten wir das nicht viel eher mit unseren Geschichten tun? Ich für meinen Teil habe zumindest beschlossen, dass ich zur nächsten Messe ohne großes Tamtam anreisen werde.

N wie Nein

… zum illegalen Download und Dumpingpreisen.

O wie Oh oh

… ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich diese Worte überhaupt an die Öffentlichkeit lassen soll. Schließlich sind wir Autoren dazu da, den Lesern etwas zum Träumen, zum Abtauchen aus dem Alltag, zum Eintauchen in andere Welten zu geben (möglichst günstig, versteht sich) – und nicht, um Diskussionen dieser Art anzustoßen (was voraussetzt, dass dieser Artikel überhaupt gelesen und kommentiert wird). Keine Ahnung, wer das hier liest und danach vielleicht nie wieder ein Buch von mir (weil ich die Preise meiner Bücher anhebe), aber das Risiko muss ich wohl eingehen. Denn ich mag nicht mehr schweigen. Warum auch. Gerade als Autor habe ich doch das Recht zu schreiben, was ich will. Oder nicht?

P wie Piraten und Plagiate

Plattformen, die illegal eBooks zum Download anbieten sind das Letzte! Ich bezahle jeden Monat Geld dafür, dass eine Firma nichts anderes tut, um tagtäglich das Internet nach angeboten Downloads meiner Bücher zu durchsuchen und sie löschen zu lassen. Manchmal werden Seiten tatsächlich vom Netz genommen, weil auch die Polizei aufmerksamer geworden ist. Doch das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn kaum, dass eine Seite dichtgemacht hat, macht irgendwo die nächste auf. Leute! Das Vertreiben und Laden von eBooks auf diesen Seiten ist illegal!! Und was Plagiate angeht … darüber brauchen wir wohl auch nicht zu diskutieren oder? Hier geht es um Existenzen! Autoren arbeiten für ihr täglich Brot – und das manchmal auch mehr als die üblichen acht – zehn Stunden am Tag. Das Kopieren von Texten, die anderen gehören, und sie als seine eigenen auszugeben – das ist nicht nur illegal, sondern auch verdammt mies!

Q wie Qualität

… oder Quantität? Früher wurde auch mal ein oder zwei Jahre auf das neue Taschenbuch eines Autors gewartet. Zwar mit Ungeduld, dafür aber voller Vorfreude. Was will der Leser xy heute? Ein Buch, das äußerlich wie innerlich stimmt? Ja, natürlich! Man erwartet Qualität für sein Geld. Etwas länger auf ein Buch warten und einen angemessenen Preis dafür zahlen? Ungern, schließlich braucht man schnell Nachschub und außerdem hat man ja auch Kosten und Ausgaben, da kann man schlecht viel Geld für seinen Lesespaß zahlen. Nee, echt nicht. Findet den Fehler.

R wie Rezensionen

Das Feedback unserer Leser, das uns wichtig ist und uns freut, uns Motivation für den nächsten Roman gibt und uns zeigt, dass wir alles richtig gemacht haben. Oder auch nicht, aber das ist okay. Ich persönlich bin dankbar für jede konstruktive Kritik. Ich kann immer noch dazulernen und habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Deswegen freue ich mich über jedes Feedback, das mich erreicht – sofern es ehrlich gemeint ist. Denn es gibt auch dabei wieder eine Kehrseite der Medaille. Denn je nachdem, wie hoch sich ein Autor in den Charts tummelt, kann es auch schon mal vorkommen, dass sich Neider unter die Rezensenten mischen. Verdammt traurig. Als würde es nicht genügend Leser für alle geben. Aber wie heißt es so schön? Mitleid bekommt man geschenkt – Neid muss man sich hart erarbeiten.

S wie Selfpublishing

Das Veröffentlichen ohne Verlag wird leider immer noch oft genug in die Schmuddelecke gedrängt, obwohl gerade die Selfpublisher keine Kosten und Mühen scheuen, um ihren Lesern qualitativ hochwertige Bücher anzubieten. Wir haben die gleichen Kosten – vielleicht noch mehr, weil wir keine großen Auflagen drucken können und dafür mehr bezahlen müssen – werden aber preislich nicht für voll genommen. Ein eBook eines Verlags für 8,99€? Kein Problem. Das eBook eines Selfpublishers für 3,99€? Zu teuer. Warum? Haben wir nicht die gleiche Arbeit, die gleichen Kosten (vielleicht sogar noch ein paar Euro mehr), wenn wir Qualität abliefern wollen? Ich denke schon.

T wie Teufelskreis

Auweia – hört sich schlimm an. Ist es leider auch. Leider sehe ich die Bücherwelt mittlerweile nicht mehr verklärt durch eine rosarote Brille. Schade, das würde es einfacher machen. Irgendwie. Aber obwohl manches sich in den letzten Jahren – in meinen Augen – zum Negativen entwickelt hat, liebe ich meinen Beruf.

U wie Urlaub

Was ist das? Ich für meinen Teil sitze in der Regel von morgens bis spät abends am PC und schreibe. Nicht immer am Manuskript, aber auch Social Media Arbeit ist nicht zu unterschätzen. Seit Facebook und Co. sind Autoren Menschen zum Anfassen geworden. Und Freunde. Und Freundschaften muss man schließlich pflegen. Und ja – das tue ich. Gerne! Ich muss nur noch lernen, mir auch mal Freizeit zu gönnen.

V wie Verlag

Seit letztem Jahr bin ich das, was man einen Hybrid-Autor nennt. Ich veröffentliche meine Bücher als Selfpublisher sowie über einen Verlag. Und mittlerweile muss ich sagen, dass mir das Veröffentlichen über den Verlag viel besser gefällt. Denn ich kann meine Zeit für das nutzen, wofür sie gedacht ist: zum Schreiben. Beim Selfpublishing ist das etwas anders, denn schon während des Schreibens entstehen nicht nur die Geschichte in meinem Kopf, sondern auch noch ein ganzer Marketing- und Businessplan dazu. Alles Zeit und Arbeit, die nicht berechnet werden kann, schon klar. Verlangt auch niemand, um Gottes Willen. Aber … wenn ich als Autor von Leser xy auf Goodies (Was schenke ich meinen Lesern auf der Messe?) oder Preise (wie günstig biete ich mein Buch an, damit es überhaupt gekauft und nicht nur illegal verbreitet wird?) reduziert werde, hat es einen schalen Beigeschmack. Leider.

W wie What the fuck?

Man mag es schon rausgelesen haben – ich verstehe die Welt einfach nicht mehr und bin mir unsicher, ob ich noch in ihr sein mag. Ja, ich rede von der Bücherwelt. Ja, ich ziehe gerade kräftig vom Leder. Ja, vielleicht mag der Leser das alles gar nicht wissen oder belächelt mich nun für meine Worte. Ja – egal – es musste einfach raus!

X wie x-mas is over

Für mich heißt es nun, mich zu entscheiden. Was will ich? Oben in der Sichtbarkeit mitschwimmen, meine Bücher viel zu günstig an den Leser bringen, damit sie diese für wenige Cent kaufen, aber vielleicht nie lesen, weil sie auf dem Reader neben hundert anderen Büchern untergehen? Oder will ich meine Geschichten den Lesern geben, die sie kaufen, weil sie sie lesen wollen? Keine schwere Entscheidung, sollte man meinen. Wobei wir damit wieder beim Teufelskreis wären 😉

Y wie you are beautiful

… und deinen Preis wert. Mehr ist dazu, glaube ich, nicht zu sagen. Ich habe mich entschieden. Meine Bücher sind ihren Preis wert – denn sie sind wertvoll. #PREISWERTVOLL

Z wie Zack und aus

Danke, dass ihr mir zugehört habt. Ich bin gespannt, was darauf nun folgt …

Wer bis hierhin gelesen hat, der hat vielleicht noch Interesse an weiteren Artikeln dazu. Deswegen verlinke ich mal auf Carin Müller, die erst gestern zum Thema Preisdumping gebloggt  hat.

Und zu Nora Theresa Saller, die ebenfalls einen Artikel  geschrieben hat, der mich sehr inspiriert hat, meine Bücher nicht mehr unter Wert zu verkaufen.

Danke dafür!

Eure Andrea