Für 100 Likes auf meiner Facebook Autorenseite habe ich ja ein kleines Gewinnspiel ins Leben gerufen. Dem Gewinner wollte ich eine Geschichte mit 1000 Wörtern widmen, in der er die Hauptrolle spielt.

Gewonnen hat diese Hauptrolle Dieter Pechstein und ich habe versucht, aufgrund seiner 10 Schlagwörter – die ich im nachfolgenden Text fett markiert habe – eine kleine Geschichte zu zaubern. Ich hoffe, es ist mir gelungen …

Viel Spaß beim Lesen 🙂

Dieter war ein lebenslustiger Typ. Ein Mann, nach dem sich die Frauen reihenweise umdrehten, lustig und humorvoll, einfühlsam und treu. Eine wundervolle Magie umgab seine Aura und wann immer er auf der Bildfläche erschien, brachte er buchstäblich Leben in die Bude.

Doch eines Tages wendete sich das Blatt. Großes Leid überschattete sein bisher so glückliches Leben. Das Nilamrut – das Amulett des Glücks – war ihm gestohlen worden.

Dieter konnte es nicht fassen, als er eines morgens aufwachte und es nicht mehr da war. Jeden Morgen hatte er es berührt, daraus die Kraft für seinen Tag geschöpft und sich sicher und rundum beschützt gefühlt. Doch eines Morgens … griffen seine Finger ins Leere.

Dieter konnte nicht fassen, als er eines morgens aufwachte und es nicht mehr da war. Jeden Morgen hatte er es berührt, daraus die Kraft für seinen Tag geschöpft und sich sicher und rundum beschützt gefühlt. Doch eines Morgens … griffen seine Finger ins Leere.

Mit einem Schlag war er hellwach. Panisch und mit fahrigen Fingern durchsuchte er sein Bett, schmiss Decke und Kissen hinunter, riss die Matratze heraus – doch nirgends konnte er das Amulett entdecken. Atemlos blieb er vor dem Bettgestell stehen, seine Brust bebte, er zitterte.

In Gedanken ging er jeden seiner Wege, die er vor dem Schlafen gehen unternommen hatte, ab. Wo konnte er das Amulett verloren haben? Verzweiflung überkam ihn. Was sollte er ohne das Amulett tun? Ohne das Nilamrut war er nur ein halber Mensch. Ein anderer Mensch.

Der Besitz des Nilamrut hatte sein Leben verändert. Wo er vorher ein Verlierer war, so hatte er nun Erfolg. War er vor einem Jahr noch ein unbedeutender Musiker gewesen, der keine müde Mark auf der Tasche hatte, so konnte er sich heute vor Angeboten für seine Songs kaum retten. Mittlerweile war er eine bedeutende Persönlichkeit in der Branche geworden, dessen Konzerte immer ausverkauft waren. Genau, wie er es sich schon immer erträumt hatte.

Glamour und Glitzer schütteten sich über ihm aus und in der kurzen Zeit, die er dieses Leben genoss, hatte sich damit auch der Erfolg in der Frauenwelt eingestellt. Jeden Abend hatte er eine Verabredung nach der anderen mit den schönsten Frauen der Stadt. Und seit kurzem war er verliebt. So richtig verliebt.

Er hatte Mathilda beim Fahrradfahren kennengelernt.

Als sein nagelneuer Porsche sich wegen eines Motorschadens nicht vom Fleck wegbewegen ließ, musste er wohl oder übel auf ein anderes Verkehrsmittel ausweichen, um nicht zu spät zum Auftritt zu kommen. Erst wollte er das U-Boot nehmen, was am Steg des Kanals lag, an dem er sein privates Anwesen hat bauen lassen, aber es war ein so schöner sonniger Tag gewesen, dass er sich schließlich für das Fahrrad entschieden hatte. Zum Glück, denn sonst hätte er Mathilda niemals kennengelernt.

Sie lief ihm an diesem besagten Morgen einfach vors Rad. Sie hatte ihn nicht gesehen – weil sie geträumt hatte. Von der großen Liebe, wie sie später zugab. Dieter musste bremsen und flog einmal über den Lenker. Mathilda half ihm, seine verletzte Hand zu verarzten, und besuchte sein Konzert. Dieter war sofort hin und weg. Und auch Mathilda erging es nicht anders. Wie sie ihm erst gestern gestand, hatte sie sich sofort in ihn verliebt.

Ein Blick auf die Uhr ließ ihn erschrecken. Er war schon viel zu spät dran. In zehn Minuten wäre er mit Mathilda zum Brunchen verabredet und er war noch nicht mal geduscht.

»Verdammt«, fluchte er und wollte sich sputen. Doch dann hielt er inne.

Dieter wusste, dass das Nilamrut an seiner Liebe nicht unschuldig war. War es doch das Amulett, das seiner Angebeteten den Kopf verdreht hatte. Es lag nicht an ihm – sondern an der Magie, die ihn dadurch umgab. Und jetzt war es weg. Folglich würde sie ihn niemals mehr so lieben können, wie sie es noch gestern getan hatte. Jetzt, wo die Magie verschwunden war – wie sollte er seiner Liebe unter die Augen treten? Sie würde durch ihn hindurchsehen, ihn nicht beachten und sich von ihm abwenden, denn mit dem Amulett, so glaubte er zu wissen, war auch der Glanz aus ihm verschwunden. Und das würde er nicht verkraften.

So beschloss er schweren Herzens, sich zurückzuziehen, und vergrub sich fortan in seinem Palast. Die Tage verbrachte er mit dem Komponieren neuer Songs und wider Erwarten ging ihm das leicht von der Hand. Eigentlich hätte auch das nicht funktionieren dürfen, wenn seine Vermutung über die Magie des Nilamrut stimmte. Nachdenklich sah er hinaus in den Garten. Hatte er vielleicht einen Fehler gemacht, indem er sich von Mathilda abgewandt hatte? Sein Herz pochte bei dem Gedanken an seine Liebe hart und unnachgiebig in seiner Brust. So, als wolle es ihn auf seinen Fehler aufmerksam machen. Es tat ihm weh und er litt.

Die Türklingel holte ihn aus seinem Schmerz und verwundert sah er auf die Uhr. Es war kurz vor Mitternacht – wer wollte ihn jetzt noch besuchen?

Er öffnete und seine Augen weiteten sich vor Schreck, als er sah, wer vor ihm stand: Mathilda.

Sie sah anders aus, als er sie in Erinnerung hatte. Ihr Teint war rosig und ungeschminkt, ihre Figur alles andere als schlank und ihre Kleidung gewöhnlich. Doch das störte ihn überhaupt nicht, obwohl er auf Äußerlichkeiten bis dahin viel Wert gelegt hatte. Denn das Wichtigste an ihr war noch da: Das Strahlen in ihren Augen, dass er so liebte. Sein Herz pochte schneller.

»Warum bist du nicht gekommen?«, fragte sie.

»Ich hatte Angst«, antwortete er.

»Wovor?«

»Weil ich nicht der bin, der ich vorgegeben habe, zu sein«, gab er niedergeschlagen zu. Sie schüttelte den Kopf.

»Du bist das, was du sein willst.«

»Du siehst anders aus.«

»Du siehst das, was du sehen willst.« Dieter dachte darüber nach und fing an zu begreifen.

»Was siehst du in mir?«, wollte er nun wissen.

»Dich.« Und jetzt begriff er, was mit ihm geschehen war.

Das Nilamrut hatte ihm nichts vorgegaukelt – es hatte ihm nur seine Möglichkeiten aufgezeigt, in seinem Chaos glücklich zu werden. Indem er mit dem Herzen sah, fühlte, lebte und liebte.

Die Uhr schlug zwölf, als sie sich küssten und in Dieter explodierte ein gigantisches Feuerwerk der Gefühle. Als sie sich voneinander lösten und in die Augen blickten, wusste er, dass er zwar das Nilamrut verloren, aber dafür seine wahre Liebe mit dem Herzen gefunden hatte.

©Andrea Bielfeldt / 2016

Ich hoffe, diese kleine Geschichte hat euch gefallen. Und wer weiß … vielleicht komme ich ja bald wieder mal auf die Idee, einen meiner Leser für eine kleine (oder auch größere) Story ins Boot zu holen 😉

Habt ein wundervolles Wochenende und lasst es euch gut gehen 🙂